Urlaub 2026 in Portugal

Die Brücke des 25. April: Eine Nachbildung der Golden-Gate-Bridge

 

 

Was war das wichtigste Requisit für meine einwöchige Studienreise nach Portugal? Der Regenschirm!

 

Im Reisepreis mit inbegriffen war eine Sehenswürdigkeit, auf die wir gerne verzichtet hätten: Wir hatten das zweifelhafte Vergnügen, Portugal in einem Sturm zu erleben, der sich gewaschen hatte. Der Orkan Christina wütete, was das Zeug hielt. Zwei Tage vor unserer Ankunft hatte er seinen Höhepunkt erreicht und die gesamte Iberische Halbinsel mit Wasser überschwemmt.

 

Wir machten das Beste aus einer Situation, die wir ohnehin nicht ändern konnten und sahen in Christina ein Ereignis der ganz besonderen Art, das man nicht alle Tage vorfindet.

 

Wir - das bedeutet eine hälftige Gruppe von Deutschen und Österreichern. Die Verständigung der beiden Gruppen war ähnlich problematisch wie mit einem Portugiesen, der kein Deutsch spricht.

 

Doch das war schon der einzige Minuspunkt, der das Reisevergnügen in einem Land, zu dem ich bis dahin keine Beziehung hatte, trübte.

 

Aufgefangen wurde der Punkteabzug durch unseren Reiseleiter Sergio. Himmel! Hatte der Mann Ahnung von Land und Leuten, Geschichte und Politik. Da blieb keine Nachfrage offen.

 

 

Portugals Hauptstadt Lissabon präsentierte sich als eine vergleichsweise gemütliche Großstadt mit einem Faible für Statuen und Denkmäler.

 

Hauptattraktion ist die Golden-Gate-Imitation, immerhin aber vom gleichen Architekten, errichtet nur 30 Jahre später. Einen Besuch von San Francisco, behauptet Sergio, haben wir uns also gespart.

 

Den von Rio auch. Denn am Ende der Brücke ragt eine Christus-Statue in den Himmel. Nicht ganz so bombastisch wie das Original auf dem Corcovado, aber doch recht imposant.

Rom mit seinen 7 Hügeln brauchen wir auch nicht mehr zu besuchen - die hat Lissabon auch aufzubieten. Erst als Sergio uns auch den Besuch von Paris mit den Champs Elysées verleiden will, streike ich. Die 'Liberdade', die Prachtstraße Lissabons, bietet weder einen Etoile, noch einen Obelisken. Alles glaube ich auch nicht.

 

 

 

 

 

 

 

Das Rathaus von Lissabon

 

Die Wellenbewegung der Pflastersteine ist eine optische Täuschung. Der Boden ist absolut plan.

 

Auf dem Marktplatz von Tomar

 

Das Bild ist deshalb eine Sehenswürdigkeit, weil es ein Stück blauen Himmel zeigt. 

Am Horizonz: die Umrisse der alten Kreuzritter-Burg

 

 

 

Unsere Rundreise führt uns zunächst in den Norden nach Tomar, die Stadt der portugiesischen Tempelritter. Überall trifft man auf das charakteristische Kreuz des geheimnisumwitterten Ordens, sogar auf den Türen zum Klo eines kleinen Restaurants.

Der tiefere Sinn hierfür erschließt sich mir nicht.

 

 

 

 

 

 

Coimbra, die Universitätsstadt, strahlt das Flair leichtlebiger Jugend aus. Kleinkunst, Straßenmusiker und ein Restaurant neben dem anderen prägen die Stadt mit ihren atmosphärisch engen Gassen. Einen Tag später erfahren wir, dass man Teile der Stadt evakuiert hatte, weil die Dämme zu brechen drohten.

 

Portugal ist stolz darauf, den Bildungsbereich dem Einfluss der Kirche, genauer der Jesuiten, entzogen zu haben. Coimbra ist eine der ältesten Universitäten Europas, dank einem schlauen König Dionys, der über den Luxus verfügte, selbst lesen und schreiben zu können. Fähigkeiten, die man nicht unbedingt bei einem Regenten voraussetzen sollte.

 

Über den Campus flitzen eine Reihe von Figuren in schwarzen Umhängen – Studenten, die sich die Zeit vertreiben. Wir erfahren, dass sie die Vorlage für Rowlings Harry-Potter- Figuren sind. Rowling hat, verheiratet mit einem Portugiesen, hier in Coimbra angefangen, ihre berühmte Geschichte zu schreiben, und die schwarzen Umhänge findet man bei den Zauberlehrlingen in ihren Büchern wieder. Nur der spitze Hut fehlt.

 

Der Anspielungen sind viele. Unter anderem bezieht einer der Hauptschurken des Romans, Slytherin, seinen Vornamen von dem üblen Diktator Salazar, der Portugal 40 Jahre lang regierte. Den konnte sie offenbar nicht ab. Er kommt im Roman auch sehr schlecht weg.

 

Ein Besuch der fantastischen Barockbibliothek ist ein Unterfangen mit eigenen Spielregeln: Besuch nur in Kleingruppen, festgelegte Aufenthaltszeiten, genau getimte Pause bis zur nächsten Gruppe, damit sich die Luftfeuchtigkeit wieder regulieren kann - und am besten tiefe Stille, damit die Andacht bei der ehrfürchtigen Bewunderung der Exponate nicht gestört wird. Wir befolgen gehorsam die Anweisungen: Die Bibliothek ist es wert.

 

 

 

In Aveiro, dem Venedig Portugals mit seinen Salinen, leiste ich mir eine lokale Besonderheit: Ohne dass ich schwindeln müsste, kann ich behaupten, dass ich ein portugiesisches Weichei vernascht habe.

Bevor jetzt jemand auf den Gedanken kommt, er hätte den Plan von mir im Sack: Es handelt sich lediglich um ein Gebäckstück auf Baiser-Basis. Urteil nach der Geschmackskontrolle: viel zu süß!

 

 

 

 

In Guimaraes befinden wir uns im Mittelalter: die Stadt gilt als die Wiege Portugals. Die Könige haben hier vom ersten bis zum letzten Tag ihr Domizil gehabt. Bewundernswert die blauen Kacheln, die nicht nur die Fassaden der Häuser schmücken, sondern auch die Innenwände der Kirchen.

 

 

Porto, die Perle Portugals, ist unser nächstes Ziel. Die Stadt ist durch Handel groß und mächtig geworden. Selbst der König hatte in dieser Stadt, die von den Handelsherren und den Geschäftsleuten regiert wurde, nichts zu lachen. Sie untersagten ihrem Regenten jeden Pomp, zum Beispiel den Bau eines eigenen Palastes - und der König kuschte. In Portugal läuft offenbar einiges anders als in anderen Ländern.

 

So hatten sich die Portugiesen im Zweiten Weltkrieg neutral verhalten, das macht sie uns sympathisch.

 

Aber noch

mehr beeindruckt uns die Geschichte des Putsches von 1974. Da hatten linksgerichtete Teile des Militärs, der verlustreichen Kämpfe in Angola müde, das diktatorische Regime in der Nachfolge von Salazar herausgefordert.

 

Doch der Putsch war dilettantisch vorbereitet, und nun standen sich die beiden Seiten feindlich gegenüber und wussten nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Schießen? Nicht schießen?

 

Da kam eine Blumenverkäuferin und steckte Nelken in die Gewehrläufe der Soldaten - ein Bild, das um die Welt ging und dem Ereignis den Namen „Nelkenrevolution“ gab. Der Putsch ging dann auch mit dem minimalen Ergebnis von nur 4 Toten zu Ende. Quantité négligable!

 

Sergio ist ein guter Botschafter seines Landes. In dem Bemühen, seine Landsleute als liebenswürdig und friedfertig darzustellen, verallgemeinert er: „So sind wir Portugiesen eben. Wenn wir Krieg machen wollen, werfen wir mit Blumen.“

 

Die Idee wird zur Nachahmung empfohlen.

 

Im Park in Porto stoße ich auf seltsame Bronzefiguren: Alte Menschen sind dort abgebildet, die sich über irgendwas kaputtlachen, ja, sie kriegen sich gar nicht mehr ein vor Vergnügen.

Die Botschaft, die dahintersteckt: Auch das Alter gibt Anlass zu Lebensfreude.

 

Wahrscheinlich leiden die Dargestellten allerdings nicht an altersbedingter Arthrose, und wahrscheinlich war das Ergebnis der letzten Darmspiegelung auch zufriedenstellend.

 

 

 

 

 

Die Buchhandlung Lello in Porto zieht eine ganz besondere Besucherschar magisch an: die Harry-Potter-Fans.

 

Dahinter steckt eine clevere Geschäftsidee: eine geschwungene Treppe, die nicht einmal beweglich ist, führt den Besucher nach oben, ein wenig Brimborium - und schon ist man in Hogwarts.

 

Bücher bleiben zwar unangerührt in den Regalen, weil keiner kauft, aber der Laden floriert wegen der Eintrittsgelder. Im Viertelstunden-Takt werden die Besucherschlangen durch den Laden geschleust.

 

 

 

Zum Abschluss der Besichtigung von Porto gibt es dann am Ufer des Duero noch eine zünftige Portwein-Verkostung. In weinseliger Stimmung kommt es dann doch noch zu gelegentlichen Verbrüderungen zwischen Piefkes und Ösis. 

 

 

 

 

Ein Blick in die neue Wallfahrtskirche von Fatima

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiteres Highlight ist der Besuch von Fatima, dem Wallfahrtsort, wo angeblich die Jungfrau Maria am 13. Mai 1917 drei Hirtenkindern erschienen ist.

 

Tagtäglich riesige Besucherströme, tiefe Gläubigkeit, Hoffnung auf Heilungen und sonstige Wunder.

 

Am 13. Mai 2017 feierte Papst Franziskus mit zigtausend Pilgern den 100. Jahrestag der Erscheinungen. Und dass just am gleichen Tag die Portugiesen den European Song Contest gewannen, schieben unverbesserliche Optimisten der Jungfrau auch in die Schuhe.

 

 

Als wir abreisen, zeigt sich, dass die Furie Christina sich immer noch nicht abgeregt hatte. Wir müssen mit dem Abflug eine gute Dreiviertelstunde warten, bis wir einen Moment erwischen, wo der erzürnten Dame mal die Luft ausgeht. Und selbst da werden wir so kräftig durchgeschüttelt, dass sich um ein Haar das Frühstück wieder meldet.

 

Und trotzdem: Es war, wieder einmal, eine Reise mit großen Eindrücken. Es sollte einen Versuch wert sein herauszufinden, wie Portugal bei Sonnenschein aussieht.

 

Die Weichen für einen erneuten Versuch sind nach dieser Woche gestellt.

Die Wallfahrtskirche von Fatima