Urlaub 2026: Mit der AIDAstella nach Mauritius, den Seychellen und Madagaskar
Februar! Winterzeit, Kälte, Regen - die typische Zeit, in der die Depressionen blühen. Also nichts wie weg!
Ich habe mir dieses Jahr ein Ziel ausgesucht, das mich weit genug weg führt: von Düsseldorf aus fliege ich via Dubai bis nach Mauritius, wo ich auf der AIDA Stella an Bord gehe. Erste Station: La Réunion, dann weiter zu den Seychellen und Madagaskar, dann zurück in einer Schleife nach Mauritius, wo für 500 Passagiere die Kreuzfahrt zu Ende ist und rund 500 neue aufgenommen werden, dann weiter über Port Elizabeth nach Kapstadt, von wo aus, wieder via Dubai, der Rückflug nach Deutschland erfolgt. Eine Traumroute!
Wenn da nicht der verrückte Orangefarbene in Washington säße, der sich ausgerechnet diese Zeit ausgesucht hat, um seinen Krieg gegen den Iran anzuzetteln.
Doch zunächst komme ich planmäßig in Port Louis an, und ich muss feststellen, dass der Regen hier genauso nass ist wie zu Hause. Nur deutlich wärmer: die üblichen Zutaten, aus denen die klebrige Luftfeuchtigkeit gemixt wird, die sofort ein zünftiges Schweißbad produziert.
Aber ich bin im Urlaub und wild entschlossen, mich selbst davon nicht aus der Fassung bringen zu lassen, zumal die ersten Erfahrungen sehr positiv sind.
Bisher hatte ich es bei allem, was zu erledigen war (Bundesbahn-Ticket, Einchecken, Einreise-Visum usw.) mit netten Gesprächspartnern zu tun gehabt. Sie hießen Evi oder Thomas, antworteten höflich auf alle Fragen und waren auch nicht aus der Ruhe zu bringen, wenn ich meinen Frust los wurde. Selbst wenn ich ausfällig geworden wäre (was natürlich nicht der Fall war), wären sie unerschütterlich freundlich geblieben: die mittlerweile unentbehrlich gewordenen elektronischen Mitarbeiter. Eine KI kannst du weder aus der Fassung bringen noch beleidigen, egal wie empört der Ton wird. Eine Erkenntnis, die immer noch gemischte Gefühle bei mir hervorruft.
Umso entzückter bin ich, als wir in Port Louis beim Betreten der Gangway zu unserem Schiff von einer echten, natürlichen Intelligenz begrüßt werden - und dazu noch von einer durchaus wohlgestalteten. Der Hotelmanager höchstpersönlich lässt es sich nicht nehmen, seine neuen Passagiere willkommen zu heißen. Wie ausgefallen!
Wenn hier ein paar Roboter herumgeschwirrt wären, die uns einen stählernen Händedruck verpasst hätten, hätte mich das auch nicht gewundert. Aber so ist das natürlich um Klassen besser.
Die feucht-fröhliche Willkommensparty am Abend vermittelt mir ebenfalls den Eindruck, dass ich im Urlaub angekommen bin, und unter den rhythmischen Klängen von Enyas „Sail away“ verlässt die Aida Stella den Hafen in Richtung La Réunion.
Hier unterläuft mir ein Fehler: Ich verzichte auf den Landausflug, weil das Wetter unsicher ist, verschiebe ihn auf das zweite Mal, wenn wir in La Réunion anlegen und begnüge mich mit einem Spaziergang am Hafen. Dass es diesen zweiten Aufenthalt nicht geben wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.
Die Seychellen sind so beeindruckend wie ihr Ruf: feinsandiger Strand, die großen, runden Felsen, flaschengrünes Wasser. Die einzigen gefährlichen Tiere der Insel sind die Seeigel.
Aber die kann man mit Badelatschen bekämpfen. Kein Problem.
Der Tauchgang wird allerdings zu einer Enttäuschung: Die Korallenbleiche hat auch vor den Seychellen nicht haltgemacht. Die Unterwasserwelt ist grau in grau, auch die Fische sind nicht spektakulär. Ich habe vor 30 Jahren das Barrier Reef in Australien gesehen und kenne den Unterschied. Es könnten einem die Tränen kommen.
Die Unterwasserwelt: enttäuschend
Vor Madagaskar lagern wir auch, doch anstatt der Pest haben wir leckere Drinks an Bord.
Als ich das Schiff verlasse, zeigt mir das Wetter meine Grenzen auf. Die schwüle Hitze schlägt mächtig auf den Kreislauf. Als wir den Nationalpark Tsingy besichtigen, der ein wenig an den Bryce Canyon in den USA erinnert, wirds lustig: die Steinformationen liegen in einem Talkessel. Bergab geht's noch, aber die gefühlten 10000 Stufen müssen auch wieder erklommen werden. Da vergeht einem das Lachen.
Etwas anderes bezaubert mal wieder. Eine Erfahrung, die ich schon so oft gemacht habe: Die Menschen sind bitterarm, aber von einer ansteckenden Fröhlichkeit. Nichts erschüttert sie - nicht die katastrophalen Straßen, nicht die kaputte Federung des Autos, auch nicht die fehlende Klimaanlage. “Machen wir halt die Fenster runter.“ Wo ist das Problem?
Unser Fahrer ist begeistert von seiner Insel. Alles ist so herrlich friedlich, erzählt er uns.
Ob es auch wilde und gefährliche Tiere gibt? Keine Spur! Selbst die Anakondas seien Schmusetiere.
Es gibt Grenzen dessen, was ich glaube. Anakondas können 6 Meter lang werden und sogar einen Menschen töten. Aber unsere Fahrer versichert uns glaubhaft, dass auf Madagaskar auch die Würgeschlangen friedlich sind. Wenn sogar eine Anakonda zum Kuscheltier wird und darauf verzichtet, seine Beute zu erwürgen, sind wir wohl im Paradies gelandet.
Wir beenden unsere Schleife und landen wieder auf Mauritius, der Insel, die aufgrund von 2 Papierschnipseln, jeweils ein Quadratzentimeter groß, berühmt wurde: die blaue und die rote Mauritius.
Etwa $8 Millionen ist ihr Wert. Die Vergangenheit lässt grüßen. Heute im Zeitalter von Emails sind Briefmarken ein Anachronismus. Rausgeworfenes Geld.
Die berühmte 7Farben-Erde. Aufgrund unterschiedlicher Mineralien vermischen sich die unterschiedlichen Farben der Erde auch bei starkem Regen nicht.
Auf dem Weg treffen wir auf das Schwesterschiff, AIDA Diva.
Die Kapitäne machen sich einen Spaß daraus, ganz nahe aneinander vorbeizufahren.
Hupen, winken, Handtücher schwenken...
Gaudi auf hoher See
Bei unserer Rückkehr macht uns die Besatzung vertraut mit dem Ausmaß der Katastrophe.
Natürlich weiß jeder, dass zwischenzeitlich Krieg ausgebrochen ist. Aber dass es auch uns betreffen könnte, ist bisher noch nicht bis zu uns durchgedrungen.
Für etwa 500 der rund zweieinhalbtausend Passagiere sollte in Mauritius der Urlaub zu Ende sein. Doch der Rückflug ist ein einziges Fragezeichen. Dubai wird vom Irak bombardiert und hat den Flughafen gesperrt. Wohin mit den abreisenden Passagieren?
Hektisch werden Unterkünfte gesucht: Hotels Ferienwohnungen, bis neue Rückflugoptionen gefunden werden.
Die Offiziere auf der AIDA haben keine Langeweile.
wieder zurück in Mauritius: Blick auf die Waterfront in Port Louis
Zweites Problem: Die 500 neuen Gäste können nicht anreisen-aus dem gleichen Grund. 3 Tage lang muss die AIDA in Port Louis notgedrungen vor Anker bleiben und auf die Neuankömmlinge warten. Einzige Möglichkeit das Dilemma zu meistern: der Trip nach La Réunion muss gecancelt werden. Der Besuch dieser Insel, den ich beim ersten Mal nach hinten geschoben habe, fällt also ins Wasser. Ein weiterer Grund, warum ich dem Orangefarbenen die Knochen im Leib verfluche.
Der Krieg legt wieder mal eines der fundamentalsten Probleme auf den Tisch: Da schwelgen wir auf einem Luxusdampfer im Wohlstand, und rund 5000 Kilometer weiter bangen die Menschen im Kugelhagel um ihr Leben.
Das Schicksal kann so ungerecht sein.
Die Besatzung tut alles, um jedes Ungemach von den Gästen fernzuhalten. Allabendlich berichten der Kapitän und sein Hotelmanager in launigen Formulierungen von den Hürden, die zu nehmen sind, damit Anreisende und Abreisende sicher zu ihren Bestimmungsorten kommen.
Das Publikum weiß die transparenten Informationen zu schätzen.
Was mich besonders beeindruckt: an den Seetagen wird auf dem Sonnendeck mittags ein Snack serviert.
Das Besondere daran ist: bedient werden die Passagiere von den Offizieren, nicht von einfachen Kellnern. Der Verdacht verdichtet sich, dass hier wirklich eine Hochschätzung der Gäste vorliegt.
Dann sind die letzten verspäteten Passagiere endlich in Port Louis angekommen, und die AIDA legt los. Ein ganzer verlorener Tag muss aufgeholt werden, damit das Schiff wieder rechtzeitig in Port Elizabeth und in Kapstadt ankommen kann.
Der Kapitän gibt Gas. Im Formel-1-Tempo pflügt die AIDA Stella durch die See, und das Meer spielt mit, bleibt spiegelglatt - bis auf der Höhe von Sansibar 5 bis 6 Meter hohe Wellen das Tempo ausbremsen. Für seetüchtige Kreuzfahrt-Profis kein Problem, doch einige Zartbesaitete hängen mit einem deutlichen Grünstich im Gesicht an der Reling.
Wir erreichen Port Elizabeth rechtzeitig. Der Kapitän und seine Crew parken den Riesenpott auf den Zentimeter genau an seinem Standort, als ob sie einen knuffigen Mini Cooper zu dirigieren hätten. Die Jungs verstehen ihr Handwerk. Die Passagiere, die eine Safari gebucht haben, kommen auf ihre Kosten.
Ich bleibe an Bord. Safaris habe ich bei den diversen Afrika-Aufenthalten einige mitgemacht. Meine Reise wird in 3 Tagen zu Ende sein, und ich will das Luxus-Feeling an Bord bis zum letzten Moment auskosten.
Als ich am nächsten Morgen das Frühstücksdeck betrete, begrüßt uns der majestätische Tafelberg. Ein gigantischer Anblick! Wir sind in der Nacht in Kapstadt gelandet.
Ein letzter Spaziergang über die quirlige Waterfront - dann ist der Urlaub zu Ende.
Die AIDA-Leute haben ganze Arbeit geleistet und uns einen Flug organisiert, der auf direktem Weg von Kapstadt nach Frankfurt geht. Dubai ist immer noch gesperrt, und die neue Lösung ist für uns sogar noch komfortabler, da keine Zwischenlandung benötigt wird.
Und wieder einmal zeigt sich, dass AIDA sich um die Gäste kümmert: sie besorgen auch den Passagieren einen Rückflug, die individuell (d.i. nicht über Aida) gebucht haben. Dazu wären sie nicht verpflichtet gewesen.
Diese vielen Puzzle-Teile an positiven Eindrücken ergeben am Ende ein stimmiges Bild: Es ist ein genialer Urlaub gewesen.